Einsamkeit in der Coronavirus-Pandemie – wie digitale Technik möglicherweise Linderung verschaffen kann

Oberstes Gebot der Stunde und Mittel gegen die Ausbreitung des Coronavirus Sars-CoV-2 lautete in den vergangenen Monaten und nach wie vor Abstand halten sowie Kontakte meiden. Derzeit spüren alle die Folgen der Coronavirus-Pandemie. Dabei treffen die pandemiebedingten Maßnahmen die einen mehr, die anderen weniger. Die Kontaktbeschränkungen hingegen sorgen durch alle Bevölkerungsgruppen hinweg für die wohl größte Veränderung der eigenen Lebenswelt.

Immer wiederkehrende „Lockdowns“, der allgemeine Grundsatz des „Social Distancings“ sowie die Sorge, Träger des Virus und damit ansteckend zu sein, treffen uns Menschen als soziale Wesen tief im Kern unserer grundlegenden Bedürfnisse. Dabei wurden und werden insbesondere Menschen über 60 Jahre, die zu der sogenannten Risikogruppe gehören, im Besonderen dazu angehalten, weitestgehend jeden Kontakt zu meiden – schließlich gilt ein höheres Lebensalter als Risikofaktor für eine Erkrankung und einen möglicherweise besonders schweren Verlauf. Nicht vergessen werden darf in dieser Diskussion allerdings, dass es sich bei der älteren Bevölkerung nicht um eine homogene, sondern eine zutiefst heterogene Gruppe an Menschen handelt, sodass eine Pauschalisierung alleine aufgrund des Alters zu kurz greift, Altersdiskriminierungen womöglich verschärft und negative Altersbilder festigt.[1]

So unterschiedlich die Lebenssituationen älterer Menschen jedoch sind und so sehr die Heterogenität des Alters zu betonen ist, so Nakao et al. (2020), „scheint sich doch das Thema „Einsamkeit“ – sei es ein selbstgewähltes Alleinsein aus Angst vor einer Ansteckung oder eine zwangsweise oder zumindest erwünschte Isolation in Verbindung mit einem Wegfallen gewohnter Rollen und Tätigkeiten – wie ein roter Faden durch das Erleben der Pandemie zu ziehen“ (Nakao et al. 2020). Laut einer bundesweiten, Ende September/Anfang Oktober 2020 durchgeführten Telefonumfrage von Wissenschaftlern der Johannes Gutenberg Universität Mainz, an der 500 Menschen im Alter von über 75 Jahren teilnahmen, fehlt mehr als der Hälfte der Befragten der Austausch mit anderen Menschen. Dies spiegelt sich auch in dem Ergebnis wider, dass 64,6% häufig (17,0%) oder hin und wieder (47,6%) wichtige Kontakte nicht pflegen konnten (Horn & Schweppe, 2020).

In diesem Zusammenhang schreiben Kessler et al. (2020), dass insbesondere für die ältere Bevölkerung (hier ab 75 Jahren), (die) (…) restriktive(n) Maßnahmen der sozialen Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen (…) nicht nur schützend (sind), sondern (…) erhebliche Gefahr (bergen), sich schädigend auszuwirken – körperlich, sozial, kognitiv, emotional und versorgungsbezogen“ (S. 1). Mit Beispielen versehen bedeutet dies für den Lebensalltag, dass etwa emotionale Nähe und zärtliche Kontakte nicht mehr stattfinden, kognitiv anregende Freizeitaktivitäten wegfallen, körperliche Aktivitäten oder ehrenamtliches Engagement nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr ausgeübt werden können (vgl. Keller et al. 2020). Auch der sonst häufig so selbstverständliche Kontakt zu den eigenen Kindern oder Enkel- und Großenkelkindern fällt oft schmerzlich weg. Oft verfügen ältere Menschen ohnehin schon über einen vergleichsweise kleineren Aktionsradius, weshalb sie im Besonderen auf ihren unmittelbaren Sozialraum angewiesen sind. Das Deutsche Zentrum für Altersfragen (DZA) ging jüngst der Frage nach, wie sich die Einschränkungen zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie auf das Einsamkeitsempfinden älterer Menschen auswirken. Diesbezüglich zeigen die Auswertungen des Deutschen Alterssurveys, dass jede siebte Person zwischen 46 bis 90 Jahren sich im Sommer 2020 einsam fühlte – damit ist die Einsamkeitsrate etwa 1,5 mal höher als in den Vorjahren (Huxhold & Tesch-Römer 2021).

Da das Gefühl einsam zu sein für viele Menschen eine zutiefst stressvolle Erfahrung ist, die mit erheblichen gesundheitlichen Risiken verbunden sein kann (Böger & Huxhold 2018; Hawkley & Cacioppo 2010) – der Psychologe John Cacioppo bezeichnet Einsamkeit gar als „sozialen Schmerz“ – ist es unabdingbar, über Möglichkeiten nachzudenken, die es erlauben, sich Menschen in seinem sozialen Umfeld nahe zu fühlen ohne ein zu großes Risiko eingehen zu müssen – denn gerade jetzt ist es doch wichtiger denn je, sozial und emotional miteinander in Verbindung zu bleiben.

Wie also kann es gerade in Zeiten der Coronavirus-Pandemie möglich sein, sich sozial zu distanzieren, gleichzeitig aber nicht das Bedürfnis nach sozialer Zugehörigkeit außer Acht zu lassen?  

Die Ausbreitung des Coronavirus Sars-CoV-2 sorgte dafür, dass Veranstaltungen jeglicher Art nach und nach verschoben oder gänzlich abgesagt wurden. Dass diese Reaktion nicht von Dauer sein kann, wurde spätestens beginnenden Herbst letzten Jahres erkannt – als auf den Sommer die sogenannte „zweite Welle“ folgte. Mehr und mehr wurde versucht, Veranstaltungen in die digitale Sphäre zu transferieren. In manchen Regionen etwa konnte oder kann man nach wie vor auf digitalem Weg an Kulturveranstaltungen, wie etwa Konzerten oder Museumsbesuchen teilnehmen – diesbezüglich informiert beispielsweise das NRW-KULTURsekretariat über digitale Veranstaltungen in Nordrhein-Westfalens Städten. Auch bieten einige Kirchengemeinden Live-Gottesdienste oder Online-Andachten an – so kann der Glaube weiterhin ohne Ansteckungsgefahr gelebt werden. Hier empfiehlt es sich, lokal zu recherchieren und die ein oder andere sonst so gerne aufgesuchte Anlaufstelle zu kontaktieren und digitale Angebote zu erfragen. Zudem gibt es vielerorts etablierte lokale und meist ehrenamtliche Besuchs- und Begleitdienste für Senior*innen und Menschen mit Demenz. Auf Grund der Kontaktbeschränkungen können diese Besuche zurzeit häufig leider nicht stattfinden. Einige dieser Dienste bieten daher jetzt auch die Möglichkeit eines telefonischen Besuchs oder eines virtuellen Treffens über Videochat an. Auch hier empfiehlt es sich, ruhig einmal bei einem solchen Dienst aus der Umgebung nachzufragen, welche Angebote zurzeit in Anspruch genommen werden können.  

Hände einer älteren Person halten Smartphone
Doch auch abseits solcher ad hoc ins Digitale überführter Veranstaltungen oder Besuchsdienste gibt es in Deutschland, insbesondere um dem Gefühl der Einsamkeit entgegenzuwirken und ganz gleich ob zu Zeiten von „Social Distancing“ und Kontaktbeschränkungen oder nicht, bereits seit längerem Initiativen und Projekte, dessen Ziel es ist, Menschen unter Zuhilfenahme digitaler Möglichkeiten miteinander in Kontakt und ins Gespräch zu bringen. Viele dieser Projekte gibt es nicht erst seit der Coronavirus-Pandemie, denn das Internet war auch vorher schon eine gute Möglichkeit, aktiv der Einsamkeit (älterer) Menschen entgegenzuwirken. Seit 2007 etwa gibt es den in Hamburg gegründeten Verein „Wege aus der Einsamkeit e.V.”. Dieser setzt sich für die Verbesserung der Lebensumstände älterer Menschen ein und ermutigt Menschen ab 65 Jahren dazu, vom sogenannten `Nonliner´ zum `Onliner´ zu werden. Neben kostenlosen Gesprächsrunden gibt es beispielsweise zahlreiche Erklärvideos unter dem Motto „Wir versilbern das Netz“ auf YouTube – auf diesem Weg werden interessierte ältere Menschen für den Umgang mit Smartphone, Tablet & Co. fit gemacht und digitale Teilhabe ermöglicht. Seit der Coronavirus-Pandemie gibt nun auch tägliche digitale Treffen mit Hilfe der Software Zoom, um sich gegenseitig im Umgang mit technischen Geräten zu unterstützen, aber auch um sich auszutauschen, gemeinsam zu lachen und einfach etwas weniger alleine zu sein.

Eine weitere Möglichkeit, digital in den Austausch zu kommen, bietet der Seniorentreff  – dies ist eine Internetplattform für deutschsprachige Senior*innen. Neben informativen Artikeln, gibt es Foren zu diversesten Themen sowie Veranstaltungen wie etwa Quizabende in (Schreib-) oder (Video-)Chats. Zu breit gefächerten Themen wie etwa Gesundheit, Wissenschaft, Politik, Gesellschaft und vieles mehr lassen sich hier Gleichgesinnte finden.

Auch für eine neue Liebe ist man nie zu alt! Im Internet gibt es daher spezielle Singlebörsen auch für ältere Menschen. Plattformen wie der 50plus-Treff oder Zweisam bieten Kontakte und Freundschaften für Menschen ab 50 Jahren an. Häufig bieten diese Plattformen eine kostenlose Basismitgliedschaft und eine kostenpflichtige Mitgliedschaft mit weiteren Funktionen an. Bitte informieren Sie sich vor einer Anmeldung auf der entsprechenden Seite über die dort gültigen Konditionen. Auf den Plattformen gibt es auch Tipps und Informationen zu sicherem Online-Dating.  

Sich Einsamkeit einzugestehen und Hilfe zu suchen ist ein großer Schritt und erfordert Mut. Trotz aller digitaler Möglichkeiten ist es für manche Menschen, die sich einsam fühlen, angenehmer, zu etwas zu greifen, was sie bereits gut kennen: dem Telefon. Die Telefonseelsorge ist als solche den meisten Menschen bekannt. Wer sich scheut, mit fremden Menschen zu telefonieren, kann die Angebote der Seelsorge auch per E-Mail oder Chat nutzen. Das Angebot ist kostenlos und erfolgt anonym. Auch das sogenannte Silbertelefon des Vereins Silbernetz e.V. kann 14 Stunden am Tag angerufen werden. Die kostenfreie Rufnummer 0800 470 8090 des Silbertelefons ist für Anrufer*innen aus ganz Deutschland vorerst von 08:00 bis 22:00 Uhr zu erreichen. Über diese Rufnummer haben Menschen die Möglichkeit, einfach mal zu plaudern oder auch nach Rat oder Informationen zu fragen. Ehrenamtliche können beispielsweise als Silbernetz-Freund*innen auch feste Gesprächspatenschaften für regelmäßige Telefonate übernehmen. 

Hände einer älteren Person halten ein schnurloses Festnetztelefon

Wie nutzen ältere Menschen digitale Möglichkeiten überhaupt und welchen Einfluss hatte Corona darauf?

Anhand dieses kleinen Ausschnitts an digitalen Möglichkeiten, ganz gleich, ob sich Menschen für oder gegen diese Angebote entscheiden, wird deutlich, dass vielerlei Angebote auch abseits der Coronavirus-Pandemie existieren, die eigens für ältere Menschen entwickelt wurden. Nun stellt sich allerdings die Frage danach, wie ältere Menschen digitale Möglichkeiten überhaupt nutzen und ob die Coronavirus-Pandemie möglicherweise etwas am Nutzungsverhalten verändert hat – dafür lohnt sich ein Blick in die Empirie.

Zuerst einmal kann ganz grundsätzlich festgestellt werden, dass die Digitalisierung unseres Alltags bereits in vollem Gange ist und auch vor dem Alter keinesfalls Halt macht. Deswegen war Digitalisierung im Alter auch schon vor der Coronavirus-Pandemie ein wichtiges Thema, dem die Mehrzahl der Senior*innen offen gegenüberstanden. Jede*r Zweite ab 65 Jahren ist „online“ – so Bitkom, der Digitalverband Deutschlands. Viele ältere Menschen nutzten digitale Medien bereits vor der Coronavirus-Pandemie, um mit Freund*innen und der Familie in Kontakt zu bleiben, sich zu informieren oder im Internet einzukaufen. Und auch immer mehr digitale Helfer wie Sprachassistenten, GPS-Tracker, Smart Home Systeme oder intelligente Sensoren haben Einzug in die Lebens- und Wohnrealitäten älterer Menschen erhalten. Vielen Seniorinnen und Senioren, aber auch ihren Angehörigen oder pflegenden bzw. betreuenden Personen, verschafft dies Hilfe, Unterstützung und Entlastung im Alltag.

Die Coronavirus-Pandemie hat die Nutzung des Internets und die Akzeptanz der Digitalisierung von älteren Menschen in Deutschland allerdings noch einmal positiv beeinflusst. Bitkom hat im Januar 2020 – also unmittelbar vor der Pandemie – und dann noch einmal mitten in der Pandemie, im Juli 2020, über eintausend Menschen über 65 Jahren zu ihrer Nutzung digitaler Technologien befragt. Während im Januar 66 % der Befragten digitalen Technologien eher positiv gegenüberstanden, waren es im Juli bereits 70%. So zeigt sich, dass die Coronavirus-Pandemie bei den Befragten ein digitales Mindset und die Bereitschaft, sich mit neuen technischen Geräten und digitalen Dienstleistungen zu befassen, gefördert hat.

Älterer Mann sitzt im Garten an einem Laptop
Die Nutzung des Internets hat sich durch die Pandemie verändert – so viel steht fest. Vorher nutzten ältere Menschen das Internet häufig um E-Mails zu schreiben, Nachrichten zu verfolgen, sich zu speziellen Themen zu informieren oder Bankgeschäfte zu erledigen. Zwar gab es auch in diesen Bereichen einen Nutzerzuwachs während der Pandemie, die Ergebnisse der Bitkom-Studie zeigen jedoch deutlich, dass insbesondere Angebote zur Kommunikation an Beliebtheit gewonnen haben. Die Videotelefonie hat nun 9% mehr Nutzer*innen als noch im Januar 2020. Auch Filme und Serien schauen Senior*innen nun vermehrt online. Die Nutzung sozialer Netzwerke ist ebenfalls angestiegen, wobei Facebook dabei am beliebtesten ist und von den über 65-jährigen mit Abstand am häufigsten genutzt wird. Neben der Kommunikation nutzen ältere Menschen das Internet auch gerne, um Gesundheitsangebote in Anspruch zu nehmen. Etablierte Angebote wie die Online-Terminvereinbarung oder Vergleichs- und Bewertungsportale von Ärzt*innen und medizinischen Einrichtungen wurden von vielen bereits regelmäßig genutzt. Doch auch von neuen Angeboten wie die elektronische Patientenakte oder telemedizinische Überwachung des eigenen Gesundheitszustands kann sich rund die Hälfte der befragten Menschen über 65 Jahren vorstellen, sie zu nutzen.

Dank des Internets haben viele der Befragten mehr Kontakt zu ihrer Familie, konnten ihr Wissen erweitern und geistig fit bleiben – rund 62% der Seniorinnen und Senioren können sich ein Leben ohne Internet gar nicht mehr vorstellen. Im Vergleich dazu waren es im Januar 2020 hingegen erst 56%. Die große Mehrheit der Senior*innen sieht Digitalisierung als Chance und nicht als Gefahr.      Es gibt jedoch auch Menschen, die das Internet nicht nutzen. Von dieser Personengruppe haben rund die Hälfte für sich persönlich (noch) keinen Nutzen im Internet erkannt oder aber es fehlt ihnen an technischen Möglichkeiten und den nötigen Grundkenntnissen im Umgang mit dem Smartphone, Tablet oder Laptop. Viele der Senior*innen haben auch Sorge darum, dass ihre persönlichen Daten ausgespäht werden oder sie einem Betrug zum Opfer fallen. Über die Hälfte der Befragten wünscht sich daher, dass die Politik das Internet insgesamt sicherer macht und dass es noch mehr Hilfeangebote für die ältere Generation gibt.         


Empirie – Digitalisierung gegen Einsamkeit (auch abseits der Coronavirus-Pandemie)?

Durch die Coronavirus-Pandemie, so zeigt sich also, findet eine Art Digitalisierungsschub statt, welcher sich auch im Alltag vieler älterer Menschen widerspiegelt. Durch die kontaktbeschränkenden Maßnahmen wurden digitale Möglichkeiten, Kontakte aufrechtzuerhalten auch für viele ältere Menschen relevant, um potenziellen Einsamkeitsgefühlen zumindest zeitweilig entgegentreten zu können. Ob dies ganz grundsätzlich, auch abseits einer Pandemie, von Erfolg sein kann, wurde unter anderem im kürzlich erschienenen Achten Altersbericht des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) erfragt. Unter anderem wurde sich in diesem der Frage angenommen, welche „Bedeutung digitale Kommunikationstechnologien für soziale Integration und Einsamkeitsgefühle älterer Menschen haben“ können (BMFSFJ 2020, S. 24).

Ergebnisse der Untersuchungen deuten insgesamt einen positiven Effekt digitaler Kommunikationstechnologien im Zusammenhang mit erlebter Einsamkeit an. Durch die Nutzung digitaler Kommunikationsmedien und des Internets haben ältere Menschen weniger Einsamkeitsgefühle als vorher. Dies gilt in zunehmender Weise, wenn bereits vorhandene soziale Beziehungen mithilfe digitaler Technologien gepflegt werden. In diesem Zusammenhang muss allerdings auch Erwähnung finden, dass, so zeigte die Untersuchung, „die virtuellen Online-Beziehungen nicht die realen Offline-Beziehungen verdrängen oder ersetzen (dürfen) – sonst können Einsamkeitsgefühle sogar zunehmen“ (BMFSFJ, S. 25).

Profitieren alle gleichermaßen?

Die Digitalisierung, so zeigt sich, ermöglicht vielen älteren Menschen – auch abseits einer Pandemie – nicht nur Teilhabe am sozialen Leben, sondern insgesamt auch einen in manchen Bereichen einfacheren Alltag oder schlichtweg die Möglichkeit, sich seinen Interessen zu widmen – auch wenn man nicht mehr so mobil ist. Es gibt allerdings Hinweise darauf, dass von den Chancen digitaler Kommunikationstechnologien nicht alle älteren Menschen in gleichem Maße profitieren. So zeigt sich, dass Personen mit ausgeprägteren sozioökonomischen Möglichkeiten häufiger Zugang zu und höhere Kompetenzen mit digitalen Kommunikationstechnologien haben und somit einen stärkeren Nutzen haben als Menschen mit weniger ausgeprägten sozioökonomischen Möglichkeiten (BMFSFJ, S. 24).

Was wird getan, um digitale Teilhabe zu ermöglichen? Und was kann ich dabei selber tun?

Vor diesem Hintergrund ist es unabdingbar, dafür Sorge zu tragen, dass allen Menschen der Zugang zu digitalen Techniken und damit digitale Teilhabe ermöglicht wird. Damit sind alle Menschen gemeint, auch jene, die für sich keinen Mehrwert in der Digitalisierung sehen. Jede*r muss die Möglichkeit haben, sich ihrer zu bedienen. Dies setzt voraus, dass ältere Menschen die Kompetenzen haben, um digitale Angebote zu nutzen – denn nur so werden die positiven Effekte der Digitalisierung für all jene die es sich wünschen erfahrbar und nutzbar.

Um dies zu erreichen, gibt es mittlerweile bundesweit eine Vielzahl an Projekten, mit denen die Kompetenz älterer Menschen im Umgang mit der Digitalisierung gestärkt wird. Das Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) etwa fördert Projekte wie die „Digitalen Engel“ – ein mobiles Ratgeberteam, das ältere Menschen über die Chancen digitaler Hilfsmittel informiert. Ein weiteres bundesweites Projekt ist mit dem „Digital-Kompass“ entstanden – derzeit entstehen rund 100  Digital-Kompass Standorte in ganz Deutschland. Diese lokalen Anlaufstellen können Menschen aufsuchen, die sich Unterstützung im Umgang mit digitalen Medien und Endgeräten wünschen oder aber selbst nicht über Internet verfügen, digitale Angebote aber dennoch gerne ausprobieren möchten. Zugleich sind sie eine Anlaufstellen für engagierte Menschen, die sich weiterbilden und ihr Wissen weitergeben möchten. Sowohl die „Digitalen Engel“ als auch der „Digital-Kompass“ arbeiten in Städten und auf dem Land mit lokalen Partnern wie etwa Mehrgenerationenhäusern, Quartiersprojekten oder Seniorenbüros zusammen. Auch auf Bundesebene und im Zusammenhang mit Digitalisierung zu erwähnen ist die Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen e.V. (BAGSO). Auf ihrer ihrem Internetportal Wissensdurstig etwa, informiert die BAGSO über digitale Lernangebote für Ältere. 

Wirft man einen Blick auf das Land Nordrhein-Westfalen, so stellt man ebenfalls fest, dass einiges unternommen wird um den Bürgerinnen und Bürgern NRWs digitale Teilhabe zu ermöglichen. Zu nennen sei hier das Forum Seniorenarbeit NRW. Als zentrale Plattform zur gemeinwesenorientierten Seniorenarbeit und des bürgerschaftlichen Engagements älterer Menschen in und für NRW widmet sich das Forum ebenfalls der Digitalisierung und richtet sich primär an Menschen, die Angebote für ältere Menschen entwickeln und umsetzen. Mithilfe dieser Projekt-Datenbank etwa werden digitale Ideen und Erfahrungen aus der Praxis weitergegeben um digitale Angebote mit verhältnismäßig geringem Aufwand in der Nachbarschaft anbieten zu können. Auf die Frage „Wie können wir älteren Menschen den Einstieg in die digitale Welt erleichtern?“ entwickelte das Forum Seniorenarbeit NRW den sogenannten Methodenkoffer. In diesem sind Beispiele zu finden, die einen ersten Zugang zu Technik ermöglichen oder aber in der Einstiegphase behilflich sind.

Älteres Paar sitzt gemeinsam vor einem Laptop

Aber auch auf lokaler Ebene passiert viel. Das Projekt „Ü65 geht online” etwa, entstand aus einer Nachbarschaftshilfe aus Kirchen und SeniorenNetzwerken in Köln. Das Projekt soll älteren Menschen Teilhabe an der digitalen Welt ermöglichen und eine Art Generationen-Netzwerk entstehen lassen. Die Idee ist jene, dass engagierte Menschen eben jenen Senioren und Seniorinnen, die sich unsicher in der Nutzung digitaler Medien fühlen, bei ihren ersten digitalen Schritten begleiten, das Smartphone einrichten und grundlegende Fragen klären. Das Projekt versucht ebenfalls, Menschen einzubinden, die nicht über ein eigenes Endgerät verfügen – so können sich ältere Menschen, die kein Smartphone besitzen, für zwei Monate ein Gerät ausleihen um auf diesem Weg herauszufinden ob ein Smartphone eine Bereicherung darstellt oder eher weniger mit dem eigenen Lebensstil vereinbar oder gar überflüssig ist. Danach kann das Smartphone zurückgegeben oder zum Selbstkostenpreis erworben werden.

Ein weiteres Projekt zur Kompetenzbildung kommt aus Bocholt – das sogenannte „Mouse Mobil„. Ältere Menschen werden hier an ihren privaten Endgeräten dabei begleitet, den Zugang zu erleichtern und Berührungsängste zu nehmen. Durch diese „fundierte Einweisung erhalten Seniorinnen und Senioren nicht nur Sicherheit im Umgang mit dem Computer, sondern auch das nötige Rüstzeug, um in weiterführenden Kursen bei der VHS oder anderen Einrichtungen ihr Wissen zu vertiefen oder zu vermehren“ (Leben im Alter e.V.).

Auch Stiftungen und Unternehmen haben sich das Ziel gesetzt, digitale Teilhabe im Alter zu fördern. Zu nennen ist hier beispielsweise die Stiftung Digitale Chancen, welche mit dem Projekt „Digital mobil im Alter“ und in Kooperation mit Telefónica o2 das Ziel verfolgt, älteren Menschen die Möglichkeiten der Digitalisierung näher zu bringen sowie sie über Herausforderungen beim Umgang mit dem Internet aufzuklären. Leihgeräte und umfangreiches Lernmaterial kann etwa von Senioreneinrichtungen oder Quartiersbüros für die Dauer von zwei Monaten kostenfrei angefragt und vor Ort durch eine Unterstützerperson an ältere Menschen vermittelt werden.

 Dieser Artikel wurde geschrieben von Ines Hocke und Julia Sinz (Regionalbüro Köln und das südliche Rheinland) und Marcel Scharf (Regionalbüro Münster und das westl. Münsterland). 

Literatur: 

Deutscher Bundestag (2020) Achter Bericht zur Lage der älteren Generation in der Bundesrepublik Deutschland: Ältere Menschen und Digitalisierung – Erkenntnisse und Empfehlungen des Achten Altersberichts. Deutscher Bundestag, Berlin. (Link zuletzt abgerufen: 16.02.2021)

Nakao, Christiane; Preissing, Sonja; Sen, Katrin; van Essen, Fabian (2020): Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Handlungsfelder der sozialen Arbeit in der Lebensspanne: Perspektiven aus Forschung und Lehre, IUBH Discussion Papers – Sozialwissenschaften, No. 6/2020, IUBH Internationale Hochschule, Bad Honnef

Horn, Vincent & Schwappe, Cornelia (2020). Die Corona-Pandemie aus der Sicht alter und hochaltriger Menschen. (Link zuletzt abgerufen: 15.01.2021)

Hawkley, L. C., & Cacioppo, J. T. (2010). Loneliness Matters: A Theoretical and Empirical Review of Consequences and Mechanisms. Annals of Behavioral Medicine, 40(2), 218–227.              

Böger, A., & Huxhold, O. (2018). Do the Antecedents and Consequences of Loneliness Change From Middle Adulthood Into Old Age? Developmental Psychology, 54(1), 181–197.

[1] Wenn Sie Interesse an weiteren Informationen rund um dieses Thema haben, wird an dieser Stelle aus das Fact-Sheet „Altersdiskriminierung und Altersbilder in der Corona-Krise“ des Deutschen Zentrums für Altersfragen (DZA) hingewiesen.

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