Demenz unter dem Schirm des Quartiers – Projektbericht

Eine Kampagne des Servicezentrums Alter und Pflege Ruhr (Arbeitstitel, vormals Demenz-Servicezentrum Region Ruhr): Menschen mit Demenz leben im Quartier.

Seit 2012 wird das folgende Veranstaltungskonzept im Einzugsbereich durchgeführt. Gemeinsam mit den lokalen Akteuren wurden so bereits ca. 60 Veranstaltungen in verschiedenen Quartieren durchgeführt.

Menschen mit Demenz leben kleinräumiger, als jüngere und nicht erkrankte Menschen. Ihre Mobilität ist eingeschränkt. Typische Versorgungsleistungen werden häufig in der unmittelbaren Umgebung gesucht.

Dem stehen tradierte Paradigmen gegenüber, dass Menschen mit Demenz in Sondereinrichtungen leben oder von ihnen unterstützt werden. Sie gehören damit immer weniger dazu. Die auf Absonderung angelegten Strukturen fördern den persönlichen Rückzug. Mit den Konzepten von Absonderung geht auch einher, dass kranke Menschen im Gemeinwesen nicht mehr präsent sind. Mit der Absonderung ist unter den Bürgern oft die diffuse Angst verbunden, selbst einmal zu den Menschen zu gehören, die kaum jemand mehr will.

Schirmveranstaltung Bochum-Riemke 2015

Damit Menschen mit Demenz in ihrem gewohnten Umfeld leben bleiben können und dort Unterstützung erfahren, bedarf es struktureller Veränderungen im Stadtteil und Quartier. Es gilt, kommunikative Bezüge aufzubauen, sie zu verstetigen und schließlich in strukturelle Veränderungen münden zu lassen. Veränderungen betreffen Leistungsanbieter nicht nur von Versorgung und Pflege sondern auch Vereinigungen und Gruppen, Geschäfte, Ärzte, Verkehrsunternehmen usw.

Quartiere können nicht von außen neu strukturiert werden, sondern sie erneuern sich selbst. Hierzu bedarf es allerdings Anstöße, die eine veränderte Kommunikation möglich machen. Schlussendlich geht es darum, dass Menschen mit Demenz, dort wo sie bereits immer gelebt haben, mit ihren Eigen- und Krankheiten weiter leben, sich verlaufen, Irrtümer begehen und ihr Leben in den gewohnten Bezügen führen dürfen.

Um dieses Konzept umzusetzen, bedarf es der Schaffung von Verbindungen der Akteure in einem Quartier. Die Schaffung von Verbindungen der Akteure lassen sich in den drei Leitsätzen zusammenfassen:

  • Menschen mit Demenz leben in ihrem Gemeinwesen, das für sie Schutz und Schirm ist.
  • Menschen mit Demenz brauchen Kontakt und man muss über sie sprechen.
  • Menschen mit Demenz benötigen Unterstützung durch qualifizierte Dienste und stadtteilbezogene Strukturen- und Angebote.
Schirmveranstaltung Gelsenkirchen-Horst 2017

Es ist eine Kampagne, in der an einem Tag etwa für vier bis sechs Stunden auf einem belebten Platz ein großer Schirm aufgestellt wird. Der Platz soll der Mittelpunkt eines Quartiers, Stadtteils, einer Nachbarschaft etc. sein. Betroffene, Interessierte und professionelle Kräfte aus dem Quartier, die sich mit dem Thema beschäftigen, sind eingeladen, unter den Schirm zu kommen. Dienste ebenfalls aus dem Quartier stellen sich an kleinen Stehpulten vor. Es gibt Gelegenheit zum Austausch, zur Vorstellung des eigenen Dienstleistungsangebotes etc. Während der Präsenz wird ein Forum durchgeführt. Unter leitenden Fragestellungen zu Demenz und Quartier wird wie auf einem Marktplatz durch einen Moderator ein ergebnisoffenes Gespräch von ca. 30 bis 45 Minuten geleitet. Damit soll der Diskurs zu Fragen der Demenz und Quartier angestoßen werden. Teilnehmen können alle Menschen, die anwesend sind.

Die Aktion besteht aus dem großen Schirm, der neben seiner symbolhaften Bedeutung auch Schutz vor Regen etc. bietet, kleinen Stehpulten an den Information erteilt und Material ausgestellt werden kann sowie dem moderierten Forum. Die Orte werden mit den bestehenden Netzwerken zur Demenz in den einzelnen Kreisen und Städten bestimmt. Die einzelnen Aktionen werden mit den potentiellen Akteuren im Gemeinwesen zuvor besprochen und in der Presse angekündigt.

Schirmveranstaltung Bochum Wattenscheid 2014

Es soll nach Möglichkeit ein oder wenige hauptverantwortliche Träger gefunden werden, die ihren Sitz im Quartier / Stadtteil haben.

Mit ihm werden die weiteren Akteure im Quartier / Stadtteil gefunden. DSZ, hauptverantwortliche/r Träger und die weiteren Akteure führen eine vorbereitende (Quartiers-)Konferenz durch und legen letztendlich den genauen Ort und die Zeit fest. Dann kann die Aktion durchgeführt werden. Ggf. kann es zu einer Nachbesprechung kommen, aus der sich ggf. wiederkehrend durchgeführte Quartierskonferenzen ergeben können. Auf jeden Fall wird mit einer solchen Aktion die quartiers-/ stadtteilbezogene Kommunikation gefördert.

Präsentation der Abschlussveranstaltung im Januar 2013

 

Seit dem Start der Aktion im Jahr 2012 wurden nahezu flächendeckend Aktionen im gesamten Einzugsgebiet durchgeführt, häufig entstanden daraus quartiersbezogene Netzwerke, die bis heute weiter gemeinsam an verschiedenen Themen arbeiten.

Auch in 2019 werden verschiedene Aktionen durchgeführt, z.B. in Herne Wanne-Süd, Herne-Sodingen, Bochum-Dahlhausen und Gelsenkirchen-Horst.

Diesen Inhalt teilen:
schliessen