"Sucht im Alter": Ein Fachtag in Moers mit vielen Perspektiven und Möglichkeit der Vernetzung
Das Netzwerk Alterspsychiatrie des linksrheinischen Teils Wesel lud am 09. September 2026 zum Fachtag „Sucht im Alter“ ins AWO-Seniorenzentrum „Paul-Saatkamp-Haus“ in Moers-Schwafheim ein. Rund 55 Personen kamen zusammen, um sich mit den besonderen Herausforderungen von Suchterkrankungen im höheren Lebensalter auseinanderzusetzen und verschiedene Perspektiven aus Praxis und Beratung kennenzulernen.
Die Beiträge der verschiedenen Expert:innen verdeutlichten, warum eine Auseinandersetzung mit dem Thema Sucht im Alter besonders wichtig ist: Veränderungen der Lebenssituation und des Körpers können das Risiko einer Abhängigkeit erhöhen. Gleichzeitig verändern sich im Alter die Wirkungen von Suchtmitteln und Medikamenten. Stürze, Schwindel oder Schmerzen können als Hinweise auf ein Suchtverhalten leichter übersehen werden.
Über die unterschiedlichen Beiträge hinweg zeigte sich eine gemeinsame Haltung: Der Mensch ist Expert:in für sich selbst. Selbstbestimmung und Freiwilligkeit sind zentrale Voraussetzungen für eine individuelle Begleitung. Dabei gilt es, aufmerksam hinzuschauen, mögliche Anzeichen von Sucht zu erkennen und hinter die Suchterkrankung zu schauen.
Immer wieder wurde deutlich, wie wichtig eine gute Vernetzung und ein umfassendes Hilfesystem sind. Ob ambulant oder stationär – eine individuelle und intersektionale Begleitung und Beratung gelingt nur im Zusammenspiel verschiedener Akteur:innen. Dabei sind Beratungsstellen nicht nur für Menschen mit einer Suchterkrankung und ihre Angehörigen wichtige Anlaufstellen, sondern bieten auch Fachkräften Beratung und Schulungen an. Die Informationsstände boten Gelegenheit, Kontakte zu knüpfen, sich über regionale Angebote zu informieren und Erfahrungen auszutauschen.
Karl-Heinz Wentorp fasste als Person mit eigener Suchterfahrung eine zentrale Botschaft des Fachtages treffend zusammen: „Mein Rezept muss ich mir selbst erarbeiten. Ihr könnt dazu beitragen, dieses Rezept zu erarbeiten.“
Suchen Sie Anlaufstellen in der Region Niederrhein? Im Flyer des Regionalbüros Alter, Pflege und Demenz Niederrhein und der ginko Stiftung für Prävention finden Sie eine Übersicht der Hilfs- und Kontaktangebote.