Gemeinsam stärker – Selbsthilfe und Pflegeselbsthilfe in NRW
„Selbsthilfe ist: selbst gefordert sein, weil kein Profi die Treffen gestaltet. Die anderen haben mir gezeigt, was ich kann.“ – dieses Zitat einer Selbsthilfe-Aktiven aus einer türkisch-deutschsprachigen Selbsthilfegruppe beschreibt das besondere Potenzial gemeinschaftlicher Selbsthilfe. Sie bedeutet, eigene Herausforderungen selbstbestimmt in die Hand zu nehmen und dabei auf persönliche Ressourcen und Fähigkeiten zu vertrauen. Zugleich zeigt die Erfahrung: Gemeinsam lassen sich Herausforderungen oft besser bewältigen.
Rund 10.000 Selbsthilfegruppen in NRW arbeiten zu über 700 verschiedenen Themen – von Erkrankungen und Behinderungen über psychische und Suchterkrankungen bis hin zu sozialen Themen. Viele chronische Erkrankungen und Behinderungen gehen mit Unterstützungs- oder Pflegebedarf einher. Selbsthilfe berührt deshalb in vielen Lebensphasen auch Fragen von Pflege und Sorge. Für Menschen mit Pflegebedarf ebenso wie für pflegende An- und Zugehörige kann Selbsthilfe einen besonderen Raum schaffen: Erfahrungen teilen, verstanden werden, Wissen weitergeben und gemeinsam Strategien für den Alltag entwickeln. Gerade für pflegende An- und Zugehörige kann es wichtig sein, dass einmal die eigene Situation im Mittelpunkt steht:
„Seit ich Unterstützung im Alltag brauche, hat sich vieles verändert. Der Austausch mit anderen hilft mir, meinen eigenen Weg damit zu finden.“
„Ich pflege meinen Partner. In der Gruppe muss ich nicht lange erklären, wie viel Kraft das manchmal kostet.“
„Manchmal habe ich das Gefühl, dass sich alles nur noch um die Pflege dreht. In der Gruppe geht es auch einmal um mich.“
Selbsthilfegruppen schaffen Zugehörigkeit, können sozialer Isolation entgegenwirken und gegenseitige Unterstützung fördern. Der Erfahrungsaustausch eröffnet neue Perspektiven und kann Selbstwirksamkeit, Handlungskompetenz und Lebensqualität stärken. Selbsthilfe wirkt aber auch über die eigene Situation hinaus. Selbsthilfe-Aktive bringen ihre Erfahrungen in gesellschaftliche und gesundheitspolitische Diskussionen ein und können Versorgung mitgestalten. So verbindet Selbsthilfe gegenseitige Unterstützung und Selbstwirksamkeit mit gesellschaftlicher Teilhabe.
In NRW stehen dafür unterschiedliche Unterstützungsstrukturen zur Verfügung: Selbsthilfe-Kontaktstellen beraten themenübergreifend rund um die gemeinschaftliche Selbsthilfe. Die Kontaktbüros Pflegeselbsthilfe (KoPS) unterstützen insbesondere Menschen mit Pflegebedarf sowie pflegende An- und Zugehörige dabei, passende Angebote der Pflegeselbsthilfe zu finden oder neue Gruppen aufzubauen. Beide Strukturen arbeiten vor Ort partnerschaftlich zusammen.
Gemeinsam stärker: Zum Tag der Selbsthilfe am 16. September machen KOSKON NRW und das Landesnetz Pflegeselbsthilfe NRW gemeinsam sichtbar, was Selbsthilfe bewirken kann – und wie Menschen in NRW Zugang zu Austausch, Gemeinschaft und Unterstützung finden.
Hier geht es zur Seite von KOSKON.
Die Jubiläums-Broschüre von KOSKON kann hier heruntergeladen werden.
Hier geht es zur Seite des Pflegewegweisers NRW. Über dieses Portal können alle Pflegeselbsthilfegruppen in NRW mithilfe einer Umkreissuche recherchiert werden.
Die NAKOS lädt gemeinsam mit der Deutschen Arbeitsgemeinschaft Selbsthilfegruppen (DAG SHG) alle Akteure der Selbsthilfe dazu ein, sich zum Tag der Selbsthilfe am 16. September mit einer Aktion zu beteiligen.